Wenn die Theorie die Verwaltung einholt:
Die Politik fordert und fördert Tempo bei der Schaffung von Wohnraum – insbesondere bei der Umnutzung von Gewerbe im Bestand. Doch in den Bauämtern scheint diese Dynamik vielerorts noch nicht angekommen zu sein.
Ein aktuelles Projekt unseres Büros verdeutlicht diese bürokratische Realität drastisch: Nach 1 Jahr Architektenwettbewerb und 3 Jahren Bebauungsplanverfahren haben wir am 6. Oktober 2025 den Bauantrag zur Umnutzung eines Bestandsgebäudes von Gewerbe zu Wohnen eingereicht. Der zugehörige Bebauungsplan ist mittlerweile längst rechtskräftig. Dennoch warten wir nun schon seit über 10 Monaten auf die Baugenehmigung.
Dabei zeigt gerade dieses Vorhaben, wie nachhaltig und sinnvoll die Nachverdichtung im Bestand funktionieren kann. Doch der „Bauturbo“ braucht dringend mehr Schubkraft direkt in den Genehmigungsbehörden. Wenn Projekte durch jahrelange Verfahren und monatelange Wartezeiten ausgebremst werden, droht am Ende ein echter Kollateralschaden: Welcher Investor kann ein Projekt über insgesamt fünf Jahre vorfinanzieren? Die aufgelaufenen Zinsen führen am Ende unweigerlich dazu, dass ausgerechnet bei der Bau- und Gestaltungsqualität gespart werden muss. Ein fatales Resultat, das weder der Baukultur noch dem Wohnungsmarkt dient!



